Gewerkschaft und Arbeitsrecht

Gewerkschaftsbewegung und Arbeitsrecht

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Linow Arbeitsrecht

Die Veröffentlichung der Einführung von Fritz Linow in das deutsche Arbeitsrecht (FAUD-Broschüre aus dem Jahre 1928) erscheint uns gerade in der aktuellen Situation um die Auseinandersetzung der FAU um einen Tarifvertrag im Kino Babylon in Berlin dringender als vielleicht gedacht. Der anarchosyndikalistische Tischler sowie Arbeits- und Sozialrechtsexperte der FAUD, Fritz Linow (1900-1965) erklärt in sehr anschaulicher Weise und eindrucksvoller Sprache die Arbeitsrechtsgesetzgebung der Weimarer Republik – ausgehend von den Ansprüchen der Arbeiterklasse als Errungenschaften der November 1918-Revolution.

Das Nazi-Arbeitsrecht unter Nipperdey & Co. ist keine Zäsur in der „demokratischen“ Juristerei gegen die Arbeiterklasse. Seit Gründung der BRD ist deren Richterrecht fortgeführt worden, das sich seine Sporen in Weimar holte und im Dritten Reich nur schärfte. Von einer Demokratisierung oder Rückbesinnung auf ursprüngliche Forderungen der Arbeiterklasse kann nach 1945 keine Rede sein. Seit der Einführung des Betriebsverfassungsgesetzes 1954 (Montan-Mitbestimmung) geht es immer nur bergab. Wer seine Rechte nicht verteidigt, muß die Folgen tragen. So war es immer.

Sehr erhellend sind auch die Positionen der FAUD und Linows zum „Organisationsterror“ der ADGB-Gewerkschaften und deren rechtliche Bevorzugung – im durchorganisierten Sozialstaat muß alles seine Ordnung haben: Tarifverträge, Betriebsverfassung, staatliche anerkannte Gewerkschaften, Betriebsräte usw. usf. Dumm nur, dass die Kapitalisten sich an keine Gesetze halten und auf so etwas wie „soziale Partnerschaft“ nur noch einen Dreck geben, solange sie nicht unter Dauerfeuer stehen.

Wir haben die Originalbroschüre von 1928 um die Beiträge von Fritz Linow aus Die Internationale, der Theoriezeitschrift der FAUD aus den Jahren 1928-1930 sowie eine kleine Einführung ergänzt.

… denn Sozialismus ist kein fertiges System, das man zu irgend einem Zeitpunkt gegen den Kapitalismus auswechseln kann. Sozialismus ist fortschreitende Vergesellschaftung, d.h. eine willensmäßig beeinflußte Entwicklung, die die Elemente des Sozialismus, Freiheit und Genossenschaftlichkeit, Selbstbestimmung und Selbstverwaltung zum Tragen bringen will, weil diese Elemente die Grundlage bilden, auf der eine höhere Form der menschlichen Kultur erwachsen kann.
- Fritz Linow -

Das Urteil des RAG von 1930 haben wir hier jetzt rausgenommen, da es in der Broschüre enthalten ist.
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