Archiv für April 2010

1. Mai-Aufruf

1. Mai 2010 – Aufruf zur gewerkschaftlichen Selbstorganisation!

Wozu brauchen wir den DGB eigentlich noch?

„Die Räte der Betriebs- und Industrieorganisationen werden die heutige Regierung ersetzen, und diese Vertretung der Arbeit wird ein- für allemal die alten politischen Systeme der Vergangenheit ablösen.“
• Kongress der Ersten Arbeiter-Internationale in Basel [1869]

„Der Syndikalismus mit seiner Gewerkschaftstaktik drängt zum Konflikt, drängt zur sozialen Revolution, drängt zum Sozialismus. Er fordert von den Arbeitern vorbehaltlose Solidarität und selbstständige Politik. Der Syndikalismus als Waffenschmiede der Arbeiterbewegung kann nicht überwunden werden, wenn die Arbeiter solidarisch und selbstständig handeln.“
• Karl Roche: Was wollen die Syndikalisten? [1919]

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Der DGB und seine Einzelgewerkschaft sind nichts weiter als ein bürokratischer Moloch, der sich nur noch um Stamm-, Kern- und Großbetriebs-Belegschaften kümmert.
Wozu brauchen wir, wozu braucht ihr ihn noch – Kolleg/innen und Genoss/innen?

• Er kann weder den eigenen geforderten Mindestlohn von 8,50 €/Std. in den verschiedensten Branchen durchsetzen, sondern setzt Dumpinglöhne mit Hungerlohn-Tarifverträgen durch(allein in Berlin-Brandenburg sind über 300 Tarifverträge gültig, die maximal eine 7 vor dem Komma haben, im Gartenbau gelten Löhne von 3,91 € als „tariflich“),

• Die Anerkennung von gleicher Entlohnung von Leiharbeiter/innen in der Zeitarbeit (Equal pay) kann er seit 2003 nicht umsetzen, vielmehr fördert er die staatlich angeordnete Zwangsarbeit für Erwerbslose durch seine Gebetsmühlen-Forderung: „Hauptsache, Arbeit!“,

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Keine Chance für eine einheitliche Bezahlung von Frauen und Männern, immer noch nicht,

Betriebliche Lohnkürzungen, Kurzarbeit als tarifliches Krisenmanagement mit renten- und lohnkürzender Altersteilzeit, Umstrukturierungsmaßnahmen (siehe u.a. Hafenarbeiter bei der stadteigenen HHLA!) als Entgegenkommen gegen weitere Massenentlassungen und steigende Erwerbslosigkeit,

Tarifverträge mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren – meist ohne jeglichen Inflationsausgleich, aber mit Arbeitszeitverlängerungen und Leistungslohn-Komponenten für eine verschärfte Ausbeutung!

Kampflose Preisgabe der Branchentarifverträge: nur noch 19 Prozent der westdeutschen und 24 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiteten 2009 noch in Betrieben, die sich an einem Branchentarifvertrag „orientierten“

Alles ohne Gegenwehr!
Der DGB verwaltet uns als Arbeiterklasse, wie es ihm passt, lässt uns in gewerkschaftlichen „Bildungseinrichtungen“ für die kommende Ausbeutung neu zurichten, drangsaliert missliebige Kolleg/innen als Querulanten …
Kritische Stimmen oder gar Opposition wird weggebissen, ausgeschlossen oder im bürokratischen Räderwerk zerrieben.
Wann endlich wacht die sozialrevolutionäre – antistaatliche Linke auf und kehrt diesem Zuchtmeister des Kadavergehorsams, des sozialpartnerschaftlichen Klassenverrats und der Konterrevolution endlich den Rücken?

Gesellschaftlicher Reichtum – wer erarbeitet ihn?
Auf wessen Knochen und Mehrwertauspressung werden denn die Reichen immer reicher? Und wer zahlt für die zyklischen Krisen des Kapitalismus – zweimal die selbe Antwort: wir, die Arbeiterklasse!
Trotz Finanz- und Bankenkrise haben „die Deutschen“ ein Vermögen von 4.600.000.000 Euro angespart – allerdings besitzen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung allein 60% all dieser Geld- und Sachwerte (Immobilien, Fabriken und Unternehmenskapital). Dagegen besitzen 70% der Bevölkerung nur 9% Prozent der Geld- und Sachwerte.

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Was sind unsere Ziele? Wofür steht der ASK Hamburg-Altona?
► Wir wollen kämpferische Kolleginnen und Kollegen bei ihren Arbeitskonflikten unterstützen, allerdings nur nach dem Motto: Wir helfen Euch, aber machen müsst ihr selbst! Wir können verschiedenste Kenntnissen (Recherche, Pressearbeit, Organisation) zur Verfügung stellen, aktiv werden müsst ihr aber selber! Wenn derjenige oder die Betriebsgruppe dann immer noch bei uns mitmachen will, dann arbeiten wir nach einer Kennenlernphase gleichberechtigt zusammen.

► Wir fordern zur Bildung autonomer/unabhängiger gewerkschaftlicher- und Diskussions-Gruppen in den Betrieben auf, sprecht Eure Arbeitskolleg/innen auf die Arbeitshetze und die Bezahlung im Betrieb an!

► Wir bieten Euch eine gemeinsame Diskussion über Eure betriebliche Situation an, und wie Euch von außen geholfen werden kann, Eure übrigen Kolleg/innen zu erreichen (z.B. Flugblatt-Aktionen). Wir sind aber keine sozialrevolutionären Dienstleister – und wir leisten keine juristische Beratung!

Klassensolidarität, Internationalismus, Klassenkampf und libertärer Kommunismus, eine freie sozialistische Gesellschaft basierend auf einer Rätedemokratie – das sind unsere gesellschaftlichen Ziele. Wir lehnen grundsätzlich jede Parteipolitik und Zusammenarbeit mit Parteien ab.

► Wir arbeiten ausschließlich auf freiwilliger, solidarischer und gleichberechtiger Basis – ohne bezahlte Funktionäre und ohne Bosse. Jede/r nach seinen Fähigkeiten.

► Wir sind für Arbeiter-Kontrolle der Produktion und Verteilung – gegen jedes Co-Management durch Betriebsräte. Bildet unabhängige Betriebs-Komitees und selbstverwaltete Arbeiterräte!

► Wir fordern die Bildung von Erwerbslosen-Komitees in den lokalen Arbeitsämtern (Argen)!

Organiziert Euch!

Wer nicht kämpft hat schon verloren.
Wer kämpfen will, muss eigenverantwortlich handeln!
Wer nicht selbstbestimmt kämpft – der wird verwaltet und abgewickelt!

Anarchosyndikalistischer Kreis / Vereinigung aller Branchen – Hamburg-Altona * ASK / VAB Hamburg-Altona

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balken

Exkurs:
Arbeitereinheit – gewerkschaftliche Einheit?
Das sind Parolen aus der antifaschistischen Zeit des „demokratischen“ Neubeginns nach dem Dritten Reich. Aber diese Erfahrung aus der Niederlage der Arbeiterbewegung gegenüber dem Nazi-Faschismus, die angeblich aufgrund der Zersplitterung der Arbeiterbewegung in verschiedene Richtungsgewerkschaften erfolgte, kann angesichts einer fehlenden faschistischen Bedrohung heutzutage nicht mehr ausreichen als „Argument“. Auch wird wohl allzu leichtfertig vergessen, dass der ADGB bereits vor dem 1. Mai 1933 kapitulierte und er zusammen mit den übrigen Gewerkschafts-Führern die Gleichschaltung der sozialdemokratischen, christlichen und hirsch-dunckerschen Gewerkschaften in der faschistischen Deutschen Arbeitsfront (DAF) bejubelten und forderten!

Und bereits 1946 (also noch vor dem Beginn des Kalten Krieges) war es mit der Einheitsgewerkschaft wieder vorbei. Denn die erste Gewerkschaft – die Sozialistische Freie Gewerkschaft hier in Hamburg, die sich als wirtschafts-politische Einheits- und Klassengewerkschaft nach Industriezweigen zentralistisch organisieren wollte –, wurde von den Engländern zwei Monate nach ihrer Gründung bereits im Mai 1945 wieder verboten. Ehemalige ADGB-Funktionäre setzten zusammen mit englischen und amerikanischen Gewerkschaftsbonzen und auf den ‚Bajonetten der Engländer’ dann die Gründung „freier“ Gewerkschaften durch. So entstand der als „Parlament der Arbeit“ gegründete Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) 1949. Daneben gab es sofort auch wieder christliche und berufsständische Angestellten- und Beamten-Gewerkschaften.
Als Bollwerk gegen den Kommunismus wurde dem DGB als Arbeitergewerkschaftsbund seine Aufgabe innerhalb der wiederformierten (westdeutschen) Klassengesellschaft zugewiesen; und er erfüllt diese Funktion des Kettenhundes des kapitalistischen System hervorragend und ohne Murren, mit ein wenig Bellen. In Ostdeutschland nahm der FDGB ebendiese Rolle ein.

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1. Mai 2010

Der Verrat der sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer

Beschluß des „Führerkreises der vereinigten Gewerkschaften“ vom 28. April 1933

»Die nationale Revolution hat einen neuen Staat geschaffen. Dieser Staat will die gesamtdeutsche Volkskraft einheitlich zusammenfassen und machtvoll zur Geltung bringen. Aus diesem volklichen Einheits- und Machtwillen heraus kennt er weder klassenmäßige Trennung noch volksabgewandte Internationalität. Diese Tatsache stellt das gesamte deutsche Volk, jeden seiner Stände und jeden Einzelnen vor die Notwendigkeit, seine Haltung zu diesem Staat festzulegen.
Die deutschen Gewerkschaften sind sich bewußt, daß auch sie an die Neugestaltung von Volk und Nation Forderungen stellt. Sie sind überzeugt, daß von ihrer bewußten Einordnung in die Neugestaltung die Zukunft des deutschen Volkes entscheidend beeinflußt wird. In dieser Erkenntnis, sind sich alle Richtungen der deutschen Arbeitergewerkschaften einig. Sie sind, getreu ihrer staatspolitischen Tradition, zu positiver Mitarbeit am neuen Staat bereit.
Die deutschen Gewerkschaften sind in den Jahrzehnten ihrer Geschichte mit dem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Dasein des ganzen Volkes verwachsen. Sie sind, getreu ihrer staatspolitischen Tradition, zu positiver Mitarbeit am Staat bereit.
Die deutschen Gewerkschaften sind in den Jahrzehnten ihrer Geschichte mit dem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Dasein des ganzen Volkes verwachsen. Sie waren und sind gestaltende Kräfte seiner Lebensordnung. Weder die Wirtschaft noch die Gesellschaft noch der Staat können ihre positive Mitarbeit entbehren., ohne daß die Gesamtinteressen der Nation Schaden leiden.
Die deutschen Gewerkschaften sind des Glaubens, daß sie der großen Aufgabe des neuen Staates, alle Kräfte des deutschen Volkes zu einer stärkeren Einheit zusammenzufassen, am besten dienen, wenn sie sich über alle Trennungen der Vergangenheit hinweg zu einer einzigen umfassenden nationalen Organisation der Arbeit vereinigen. Deshalb bekunden der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Hauptvorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands und der Hauptvorstand des Verbandes der Deutschen Gewerkvereine (HD) die Absicht, die bestehenden Spitzen- und Berufsverbände mit dem Ziel der Umformung und Vereinheitlichung zusammenzuschließen.
Zur Vorbereitung und Durchführung dieses Zieles bestimmen die Vorstände einen Führerkreis, für den jede Gewerkschaftsrichtung drei Personen stellt.

Der Führerkreis hat folgende Aufgaben:
1. Die geistige Grundlage der Einheitsgewerkschaften zu klären und festzulegen;
2. Die Voraussetzungen für den organisatorischen Zusammenschluß der einzelnen Berufsverbände durch Verhandlungen mit den Verbandsvorständen zu schaffen;
3. Den Bund der vereinigten Gewerkschaften technisch vorzubereiten, Satzungen auszuarbeiten und die Führer- und Personalfrage nach Zahl und Namen zu lösen;
4. Die praktischen Zielsetzungen der Einheitsgewerkschaften festzulegen. Dabei ist zu beachten, daß
a) die Gewerkschaften die berufenen Vereinigungen zur Vertretung der sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter und Angestellten sind;
b) das höchste Ziel ihrer Arbeit die Förderung eines gesunden Staates und Volkes als Voraussetzung zur Sicherung der sittlichen, kulturellen, staatlichen und wirtschaftlich-sozialen Lebensrechte des deutschen Arbeiterstandes ist;
c) die religiösen Grundkräfte in ihrer staats- und gesellschaftsaufbauenden Bedeutung geachtet und anerkannt werden;
d) die Gewerkschaften parteipolitisch völlig ungebunden sein müssen.
5. Die Verhandlungen mit der Regierung und sonstigen verantwortlichen Stellen zu führen;
6. Das aktive und passive Vermögen in die gemeinsame Verwaltung überleiten;
7. Die immobilen und mobilen Werte der Verbände, der Orts- und Bezirksausschüsse bzw. Kartelle, der Arbeitersekretariate usw. als gemeinsame Einrichtungen zu überführen und der gemeinsamen Benutzung dienstbar zu machen.

Der Führerkreis handelt im Auftrag der gesamten Vorstände selbständig und bindend. Er kann zu seinen Beratungen Sachverständige zuziehen und sie gutachtend hören. Er kann für Spezialgebiete Unterausschüsse einsetzen.

Bis zum Abschluß der Vorarbeiten des Führerkreises enthalten sich die Vorstände jeder Sonderverhandlungen über die Umgestaltung der Gewerkschaften.
Der Führerkreis verpflichtet sich, den Vorständen über die entscheidenden Abschnit¬te der Verhandlungen jeweils Bericht zu erstatten.

[Für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund:]
Theodor Leipart, Peter Grassmann, Wilhelm Leuschner, Franz Spliedt
[Für den GCGD:]
Friedrich Baltrusch, Franz Behrens, Jakob Kaiser, Bernhard Otte, Adam Stegerwald
[Für die VDG (HD):]
Ernst Lemmer.« (1)

DAF
Symbol der NS-Arbeitsfront DAF

Und die Vorgeschichte?
Organisation – nicht Demonstration: das ist die Parole der Stunde“ – so formulierte Theodor Leipart am 31. Januar 1933 in Bundesausschuß des ADGB die Leitlinie der gewerkschaftlichen Politik für die kommenden Wochen und Monate.(2)

Außer Aufrufen zu Ruhe, Ordnung und Disziplin hatte der ADGB nichts zu bieten. Sie polemisierten auch gegen die Aufrufe anderer Gewerkschaftsorganisationen – wie der anarchosyndikalistischen FAUD – und der KPD gegen den Generalstreik zum Sturz der faschistischen Regierung. Gegen die „unentwegten Generalstreiktheoretiker“ pöbelte der stellvertretende ADGB-Vorsitzende Peter Grassmann beim Führerappell der ‚Eisernen Front‘ am 13. Februar 1933: „Der Generalstreik ist eine furchtbare Waffe nicht nur für den Gegner, ihn veranlassen und verantworten kann man nur, wenn es gar nicht mehr anders geht, wenn es sich um Leben und Sterben der Arbeiterklasse handelt.“ (3)

Die bürgerlichen Gewerkschaften kapitulierten kampflos vor dem Faschismus!
In einer Erklärung des ADGB-Vorstandes vom 21. März – also nachdem eine Woche vorher SA und SS der Nazis massiv die „freien“ Gewerkschaften angegriffen hatten! – anerkannte er bereits das „Recht des Staates, in die Auseinandersetzungen zwischen organisierter Arbeiterschaft und Unternehmertum einzugreifen, wenn das Allgemeininteresse es erforderlich macht.“ Und: „Eine staatliche Aufsicht [über die] Gemeinschaftsarbeit der freien Organisationen der Wirtschaft könnte unter Umständen durchaus förderlich sein, ihren Wert erhöhen und ihre Durchführung erleichtern.“ Auch die Selbstaufgabe wurde in dieser Erklärung mit den dürren Worten zur Disposition gestellt, denn „über die Form der Organisation steht die Wahrung der Arbeiterinteressen“. (4)

Am 21. März gab der ADGB eine ‚Ergebenheitsadresse’ gegenüber den neuen Machthabern ab und am 29. März bot der ADGB-Führer Leipart noch die „restlose Lösung von der SPD“als Rettungsversuch an.

Und auf einer Bundesausschußsitzung des ADGB beschlossen die Vertreter der Einzelverbände, daß man „die Vereinheitlichung des deutschen Gewerkschaftswesens“ unterstütze und daß „im Interesse der gedeihlichen Entwicklung der deutschen Wirtschaft die in jahrzehntelanger opfervoller Arbeit und mit großer Erfahrung aufgebauten Organisationen und Einrichtungen der Träger der deutschen Gewerkschaftsbewegung erhalten bleiben müßten.“ (5)

Am 13. April 1933 diskutierten Leipart, Grassmann und Wilhelm Leuschner mit Vertretern der Nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation (NSBO) über die zukünftige neue Gewerkschaftsorganisation. Der ADGB lehnte aber die Führerschaft einer Deutschen (Staats-) Gewerkschaft durch einen NSBO-Nationalsozialisten ab.

Und in ihrem Aufruf zum 1. Mai 1933 – den die Hitler-Regierung zum ‚Tag der nationalen Arbeit’ verunstaltete – heißt es am 15. April 1933, daß der „vom leidenschaftlichen Kulturwillen beseelte deutsche Arbeiter den werktätigen Menschen einem dumpfen Arbeitsdasein zu entreißen und ihn als freie, selbstbewußte Persönlichkeit in die Gemeinschaft des Volkes einzuordnen“ habe. Am 19. April beschließt der Bundesausschuß des ADGB, die Gewerkschaften haben „im vollen Bewußtsein ihrer Pionierdienste für den Maigedanken, für die Ehrung der schaffenden Arbeit und für die vollberechtigte Eingliederung der Arbeiterschaft in den Staat sich allerorts an der von der Regierung veranlaßten Feier festlich zu beteiligen.“ (6)

Nach dieser Erklärung kam es zum offenen Bruch des Internationale Gewerkschaftsbundes (IGB) mit dem ADGB.

Diese Anpassung bis zum bitteren Ende
hatte seinen Anfang ja nicht erst mit dem Präsidial-Kabinett vom April 1930 unter dem Reichskanzler Heinrich Brüning begonnen – der war als ehemaliger Geschäftsführer des christlich-nationalen DGB christlicher Gewerkschafter, und sein Arbeitsminister Adam Stegerwald war christlich-nationaler Gewerkschafter und Mitglied der katholischen Zentrums-Partei. Mit diesen Leuten hat sich der sozialdemokratische ADGB zusammengetan, um mit der Schaffung einer ‚Einheitsgewerkschaft’ das Verbot der organisierten Arbeiterbewegung zu verhindern.

Die Hoffnung der sozialdemokratischen Führerschaft, wenigstens die „freien“ Gewerkschaften durch eine ‚Gleichschaltung’ auch mit der faschistischen NSBO in eine unabhängige Deutsche (Staats-) Gewerkschaft hinüber zu retten, war ebenso feige und unverantwortlich wie der Verrat am Internationalismus und am Klassenkampf – das war der Anfang vom Ende der deutschen Arbeiterbewegung.

Das „Recht des Staates“ bekam die Arbeiterschaft auch prompt geliefert, nachdem die Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933 gestürmt waren und die NSDAP-Reichsregierung die Gewerkschaften in ihrem Sinne „gleichschaltete“: sie veredelte den Arbeiter nochmals – zum „Soldaten der Arbeit“!

In Hamburg traten sogar noch nach Gründung der faschistischen Deutschen Arbeitsfront am 10. Mai gegen Ende Mai 1933 u.a. der örtliche ADGB-Führer John Ehrenteit (er war bereits am 3. März als SPD-Senator zurückgetreten) zusammen mit weiteren fünf SPD-Bürgerschaftsabgeordneten aus der sozialdemokratischen Partei aus – und schlossen sich als „Gewerkschaftsgruppe“ der NSDAP-Bürgerschaftsfraktion an. Doch auch dieser vorauseilende Gehorsam rettete sie nicht: am 7. Juli verloren sie ihre Mandate in der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Kollaboration schlug fehl, sie spielten keine Rolle im „Volksstaat“ der Nazi-Faschisten.

Und wozu das alles? Um Selbstmord zu begehen, weil sie den Tod fürchteten …
Der DGB behauptet noch heute: „Die Spaltung der Gewerkschaftsbewegung in mehrere Richtungsgewerkschaften erwies sich als fundamentales Hindernis für die politische Aktionsfähigkeit der Arbeiterschaft. Trotz vieler Bemühungen war es nicht zur Bildung einer Einheitsgewerkschaft gekommen.“ Sie vergessen dabei zu erzählen, daß sie diese ‚Einheitsgewerkschaft’ erst nach der Machtübergabe an Hitler und seine NSDAP am 30. Januar 1933 verfolgte. Und dieses erbärmliche Abkommen über den ‚Führerkreis der vereinigten Gewerkschaften’ gilt unseren wackeren Sozialdemokraten noch heute als Geburtsurkunde der deutschen ‚Einheitsgewerkschaft’ …

Auch aus diesem Grunde bleibt es für uns dabei – und ist heute wie damals gültig:
Bereitet euch vor auf die endgültige Niederwerfung des Kapitalismus und seiner Schutzgarde, des Nationalsozialismus, durch einen umfassenden Generalstreik!“ (7)

Folkert, ASK / VAB Hamburg-Altona

Download dieses Artikel: Verrat des ADGB 1933

Anmerkungen

(1) 28.4.1933 – Vertreter der freien und christlichen Gewerkschaften sowie des Verbandes der Deutschen Gewerkvereine bilden den Führerkreis der vereinigten Gewerkschaften. Siehe dazu: Gerhard Beier, Zur Entstehung des Führerkreises der Vereinigten Gewerkschaften Ende April 1933, in: Archiv für Sozialgeschichte XV, 1975

(2) Die Gewerkschaften und der Regierungswechsel. 13. Bundesausschußsitzung des ADGB am 31.1.1933, in: Gewerkschafts-Zeitung Nr. 5 vom 4.2.1933

(3) Peter Grassmann, Kampf dem Marxismus? Rede anläßlich des Führerappells der Eisernen Front am 12. 3. 1933, Berlin 1933

(4) Erklärung des ADGB, in: Gewerkschafts-Zeitung Nr. 12 vom 25.3.1933

(5) „Der ADGB zur Mitarbeit bereit“, Artikel in der Frankfurter Zeitung vom 8. April 1933

(6) Stellungnahme des Bundesvorstandes des ADGB vom 15.4.1933 und Beschluß des Bundesausschuß vom 19.4.1933, in: Gewerkschafts-Zeitung Nr. 16 vom 22.4.1933

(7) Aufruf der FAUD (AS) zur Reichspräsidentenwahl am 31.7.1932

Glossar

ADGB – Allgemeiner Deutscher Gewerkschafts-Bund, größte Gewerkschaftsdachverband in der Weimarer Republik, der SPD nahestehend
»Eiserne Front« – 1931 gegründete paramilitärische Organisation des ADGB (organisierte sogenannte ‚Hammerschaften’ in den Betrieben gegen RGO und NSBO), der SPD, der Arbeitersportbünde, der Genossenschaftsbewegung und des »Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold« (Symbol: 3 Pfeile als Symbole für Aktivität, Disziplin und Einigkeit); hatte ca. 10 Millionen Mitglieder
GCGD – Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, der katholischen Zentrums-Partei nahestehend
NSBO – Betriebliche Gewerkschaftsgruppen der NSDAP (abgekupfert von der RGO der KPD)
»Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold« – 1924 gegründeter Bund republikanischer Frontsoldaten
RGO – Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition der KPD
VDG (HD) – Verband der Deutschen Gewerkvereine (Hirsch-Duncker), antisozialistischer Gewerkschaftsbund, der sich als sozialliberal verstand

Literturhinweis

Jürgen Klein – Bürgerliche Demokraten oder christliche, sozialdemokratische und kommunistische Gewerkschafter. Hand in Hand gegen die Arbeiter. Hamburg 1974

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