1. Mai-Aufruf

1. Mai 2010 – Aufruf zur gewerkschaftlichen Selbstorganisation!

Wozu brauchen wir den DGB eigentlich noch?

„Die Räte der Betriebs- und Industrieorganisationen werden die heutige Regierung ersetzen, und diese Vertretung der Arbeit wird ein- für allemal die alten politischen Systeme der Vergangenheit ablösen.“
• Kongress der Ersten Arbeiter-Internationale in Basel [1869]

„Der Syndikalismus mit seiner Gewerkschaftstaktik drängt zum Konflikt, drängt zur sozialen Revolution, drängt zum Sozialismus. Er fordert von den Arbeitern vorbehaltlose Solidarität und selbstständige Politik. Der Syndikalismus als Waffenschmiede der Arbeiterbewegung kann nicht überwunden werden, wenn die Arbeiter solidarisch und selbstständig handeln.“
• Karl Roche: Was wollen die Syndikalisten? [1919]

soli

Der DGB und seine Einzelgewerkschaft sind nichts weiter als ein bürokratischer Moloch, der sich nur noch um Stamm-, Kern- und Großbetriebs-Belegschaften kümmert.
Wozu brauchen wir, wozu braucht ihr ihn noch – Kolleg/innen und Genoss/innen?

• Er kann weder den eigenen geforderten Mindestlohn von 8,50 €/Std. in den verschiedensten Branchen durchsetzen, sondern setzt Dumpinglöhne mit Hungerlohn-Tarifverträgen durch(allein in Berlin-Brandenburg sind über 300 Tarifverträge gültig, die maximal eine 7 vor dem Komma haben, im Gartenbau gelten Löhne von 3,91 € als „tariflich“),

• Die Anerkennung von gleicher Entlohnung von Leiharbeiter/innen in der Zeitarbeit (Equal pay) kann er seit 2003 nicht umsetzen, vielmehr fördert er die staatlich angeordnete Zwangsarbeit für Erwerbslose durch seine Gebetsmühlen-Forderung: „Hauptsache, Arbeit!“,

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Keine Chance für eine einheitliche Bezahlung von Frauen und Männern, immer noch nicht,

Betriebliche Lohnkürzungen, Kurzarbeit als tarifliches Krisenmanagement mit renten- und lohnkürzender Altersteilzeit, Umstrukturierungsmaßnahmen (siehe u.a. Hafenarbeiter bei der stadteigenen HHLA!) als Entgegenkommen gegen weitere Massenentlassungen und steigende Erwerbslosigkeit,

Tarifverträge mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren – meist ohne jeglichen Inflationsausgleich, aber mit Arbeitszeitverlängerungen und Leistungslohn-Komponenten für eine verschärfte Ausbeutung!

Kampflose Preisgabe der Branchentarifverträge: nur noch 19 Prozent der westdeutschen und 24 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiteten 2009 noch in Betrieben, die sich an einem Branchentarifvertrag „orientierten“

Alles ohne Gegenwehr!
Der DGB verwaltet uns als Arbeiterklasse, wie es ihm passt, lässt uns in gewerkschaftlichen „Bildungseinrichtungen“ für die kommende Ausbeutung neu zurichten, drangsaliert missliebige Kolleg/innen als Querulanten …
Kritische Stimmen oder gar Opposition wird weggebissen, ausgeschlossen oder im bürokratischen Räderwerk zerrieben.
Wann endlich wacht die sozialrevolutionäre – antistaatliche Linke auf und kehrt diesem Zuchtmeister des Kadavergehorsams, des sozialpartnerschaftlichen Klassenverrats und der Konterrevolution endlich den Rücken?

Gesellschaftlicher Reichtum – wer erarbeitet ihn?
Auf wessen Knochen und Mehrwertauspressung werden denn die Reichen immer reicher? Und wer zahlt für die zyklischen Krisen des Kapitalismus – zweimal die selbe Antwort: wir, die Arbeiterklasse!
Trotz Finanz- und Bankenkrise haben „die Deutschen“ ein Vermögen von 4.600.000.000 Euro angespart – allerdings besitzen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung allein 60% all dieser Geld- und Sachwerte (Immobilien, Fabriken und Unternehmenskapital). Dagegen besitzen 70% der Bevölkerung nur 9% Prozent der Geld- und Sachwerte.

haende

Was sind unsere Ziele? Wofür steht der ASK Hamburg-Altona?
► Wir wollen kämpferische Kolleginnen und Kollegen bei ihren Arbeitskonflikten unterstützen, allerdings nur nach dem Motto: Wir helfen Euch, aber machen müsst ihr selbst! Wir können verschiedenste Kenntnissen (Recherche, Pressearbeit, Organisation) zur Verfügung stellen, aktiv werden müsst ihr aber selber! Wenn derjenige oder die Betriebsgruppe dann immer noch bei uns mitmachen will, dann arbeiten wir nach einer Kennenlernphase gleichberechtigt zusammen.

► Wir fordern zur Bildung autonomer/unabhängiger gewerkschaftlicher- und Diskussions-Gruppen in den Betrieben auf, sprecht Eure Arbeitskolleg/innen auf die Arbeitshetze und die Bezahlung im Betrieb an!

► Wir bieten Euch eine gemeinsame Diskussion über Eure betriebliche Situation an, und wie Euch von außen geholfen werden kann, Eure übrigen Kolleg/innen zu erreichen (z.B. Flugblatt-Aktionen). Wir sind aber keine sozialrevolutionären Dienstleister – und wir leisten keine juristische Beratung!

Klassensolidarität, Internationalismus, Klassenkampf und libertärer Kommunismus, eine freie sozialistische Gesellschaft basierend auf einer Rätedemokratie – das sind unsere gesellschaftlichen Ziele. Wir lehnen grundsätzlich jede Parteipolitik und Zusammenarbeit mit Parteien ab.

► Wir arbeiten ausschließlich auf freiwilliger, solidarischer und gleichberechtiger Basis – ohne bezahlte Funktionäre und ohne Bosse. Jede/r nach seinen Fähigkeiten.

► Wir sind für Arbeiter-Kontrolle der Produktion und Verteilung – gegen jedes Co-Management durch Betriebsräte. Bildet unabhängige Betriebs-Komitees und selbstverwaltete Arbeiterräte!

► Wir fordern die Bildung von Erwerbslosen-Komitees in den lokalen Arbeitsämtern (Argen)!

Organiziert Euch!

Wer nicht kämpft hat schon verloren.
Wer kämpfen will, muss eigenverantwortlich handeln!
Wer nicht selbstbestimmt kämpft – der wird verwaltet und abgewickelt!

Anarchosyndikalistischer Kreis / Vereinigung aller Branchen – Hamburg-Altona * ASK / VAB Hamburg-Altona

arbeiter

balken

Exkurs:
Arbeitereinheit – gewerkschaftliche Einheit?
Das sind Parolen aus der antifaschistischen Zeit des „demokratischen“ Neubeginns nach dem Dritten Reich. Aber diese Erfahrung aus der Niederlage der Arbeiterbewegung gegenüber dem Nazi-Faschismus, die angeblich aufgrund der Zersplitterung der Arbeiterbewegung in verschiedene Richtungsgewerkschaften erfolgte, kann angesichts einer fehlenden faschistischen Bedrohung heutzutage nicht mehr ausreichen als „Argument“. Auch wird wohl allzu leichtfertig vergessen, dass der ADGB bereits vor dem 1. Mai 1933 kapitulierte und er zusammen mit den übrigen Gewerkschafts-Führern die Gleichschaltung der sozialdemokratischen, christlichen und hirsch-dunckerschen Gewerkschaften in der faschistischen Deutschen Arbeitsfront (DAF) bejubelten und forderten!

Und bereits 1946 (also noch vor dem Beginn des Kalten Krieges) war es mit der Einheitsgewerkschaft wieder vorbei. Denn die erste Gewerkschaft – die Sozialistische Freie Gewerkschaft hier in Hamburg, die sich als wirtschafts-politische Einheits- und Klassengewerkschaft nach Industriezweigen zentralistisch organisieren wollte –, wurde von den Engländern zwei Monate nach ihrer Gründung bereits im Mai 1945 wieder verboten. Ehemalige ADGB-Funktionäre setzten zusammen mit englischen und amerikanischen Gewerkschaftsbonzen und auf den ‚Bajonetten der Engländer’ dann die Gründung „freier“ Gewerkschaften durch. So entstand der als „Parlament der Arbeit“ gegründete Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) 1949. Daneben gab es sofort auch wieder christliche und berufsständische Angestellten- und Beamten-Gewerkschaften.
Als Bollwerk gegen den Kommunismus wurde dem DGB als Arbeitergewerkschaftsbund seine Aufgabe innerhalb der wiederformierten (westdeutschen) Klassengesellschaft zugewiesen; und er erfüllt diese Funktion des Kettenhundes des kapitalistischen System hervorragend und ohne Murren, mit ein wenig Bellen. In Ostdeutschland nahm der FDGB ebendiese Rolle ein.

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