Der Airbus-Diehl

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Über die Arbeitsplatz-Lügen in der Rüstungsindustrie und dem Airbus-Flugzeugbau

Willkommen im Diehl-Rüstungskonzern!

An die Dasell- und Mühlenberg-Kolleg│innen und alle anderen, die’s interessiert!
Ihr arbeitet jetzt zusammen als Küchen- und Toiletten-Ausrüster in einem der mächtigsten Rüstungskonzerne Europas – der Diehl-Stiftung, die neben Leopard-Panzerketten auch Streumunition produziert. Rüstung heißt heute natürlich nicht mehr Kriegswaffenproduktion, sondern Verteidigung und Sicherheit, eine euphemistische Umschreibung für Vernichtungswaffen, und Diehl wird so schlicht zum Nürnberger „Technologiekonzern“. Als Ex-Mühlenberg- und Dasell-Kolleg│innen seid ihr jetzt Rüstungskonzern-Mitarbeiter bei Diehl Aerosystems.
Dieses Diehl-Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen halbstaatlichen Rüstungskonzern ThalesGroup, die durch die Übernahme einiger Technologiesparten von AEG, Siemens, ABB und Bombardier mittlerweile zu einem Weltkonzern wurde. Beglückwünschen können wir Euch dazu natürlich nicht. Aber wir wollen die Gelegenheit nutzen, Euch auf einige Fakten und Hintergründe hinzuweisen.

Lügen – nichts als Lügen und leere Versprechungen
Auf einer Betriebsversammlung bei Dasell war Mitte letzten Jahres noch die Rede davon, dass man sich bis zum Jahresende schrittweise von 80 Leiharbeitskräften trennen wolle. Darauf wurde einer Handvoll LAKs (Leiharbeitskräften) gekündigt. Jetzt heißt es, die Belegschaft soll um 10% aufgestockt werden.
Im Abendblatt spricht der Geschäftsführer davon, daß er keine Meister für die Produktion finden würde, aber bei Dasell laufen viele Meister und Techniker im Betrieb herum, die als einfache Facharbeiter angestellt sind und von denen sich auch einige auf Vorarbeiter- oder Meisterstellen beworben haben. Mittlerweile wurden sie zu Alibi-Vorstellungsgesprächen eingeladen. Gesucht wurden dabei eher Motivationskünstler, die ihren Kolleg│innen freiwillige Mehrarbeit schmackhaft machen sollen. Über das Chaos in der Dasell-Produktion und den Ursachen für die immer wieder auftretenden Verzögerungen bei der Umsetzung der Vorgaben durch Airbus – wurde natürlich nicht gesprochen. [Hamburger Abenblatt, 29.10.2011 ]

„Ungarn hilft uns dabei“ – Die Stundenlöhne sind niedriger als in Deutschland
Um die zu steigernde Produktion und damit einhergehender Arbeitshetzte und Produktivitätssteigerung in den Griff zu bekommen, wurde von Diehl – bereits vor der Übernahme von Mühlenberg und Dasell! – ein neuer Betrieb aufgebaut: Diehl Aircabin Hungary Kft soll Teile in Ungarn produzieren, die einen hohen mechanischen Aufwand bei der Bearbeitung erfordern:
»Diehl Aerosystems wird zur Erschließung neuer Bezugsquellen für Materialien und Dienstleistungen … errichten, die Diehl Aircabin Hungary. Die Gesellschaft soll bereits 2011 die Produktion einfacher Kabinenteile wie Klimaverrohrung und Seitenverkleidungen aufnehmen.« Diehl-Bilanz 2010). Danach werden sie in das 1200 Kilometer entfernte Laupheim geliefert und fließen von hier in die Serienproduktion ein.
Rund 180 Jobs will Diehl binnen drei Jahren in Nyírbátor schaffen: „Es wird deswegen kein Arbeitsplatz in Laupheim abgebaut“, versichert von Borstel, Sprecher des Bereichsvorstands von Diehl Aerosystems: „Wir generieren das ausschließlich aus Wachstum.“ Diehl Aerosystems müsse sich im Wettbewerb globaler aufstellen: „Ungarn hilft uns dabei“. Die Stundenlöhne sind niedriger als in Deutschland. In Nyírbátor wurde ein Firmengebäude gekauft und modernisiert. Bereits Ende 2011 soll die Produktion anlaufen [Schwäbische Zeitung, 18.7.11]
Es dürfte klar sein, was das für den Produktionsstandort Finkenwerder (Dasell) bedeutet. Die rund 150 Leiharbeiter│innen – neudeutsch als LAKs (Leiharbeitskräfte) bezeichnet, um vom Schmuddelimage der Sklavenhändlerbranche wegzukommen – werden entlassen. Aber bisher werden bei Diehl weiterhin LAKs beschäftigt, wie bei bisher bei Dasell. Bis – ja bis vielleicht in Ungarn die Produktion steht und auf die Leiharbeitskräfte ganz verzichtet werden kann …

Änderung der Schichten – aus heiterem Himmel
Ganz plötzlich forderte dann Diehl-Dasell die Änderung der Schichtarbeit – statt zwei Schichten zu je 7 Stunden (35-Stunden-Woche) soll ab demnächst eine 4-Tage-Woche mit zwei Schichten zu 9 Stunden einegführt werden. Um Produktionsmängel und die steigende Auslastung zu bewältigen, sind bereits 7 Kollegen aus Laupheim (ehemaliger Airbus-Standort, gehört jetzt ebenfalls zu Diehl AeroSYSTEMS) eingetroffen, die durch Ex-Mitarbeiter von Mühlenberg und aus der zweiten Ex-Dasell-Betriebstätte Hausbruch, wo die Produktion von Gehäusen stattfindet, noch ergänzt werden sollen. Ob diese Facharbeiter nur kurtfristig umgesetzt werden oder sie LAK-Arbeitsplätze ersetzen sollen, ist unklar.
Und hier liegt die Idee des Airbus-Konzerns: die Umwandlung in einen Rüstungskonzern ist in vollem Gange. Dadurch, daß Diehl Schlüsselpositionen in der Zulieferung als „First Supplier“ übernimmt werden zukünftige Umstrukturierungen einfacher vonstatten gehen als mit mehreren kleinen, mittelständischen Zulieferbetrieben. Diehl ist Kriegswaffenproduktion – und der Militär-Airbus A400 ist da ein schönes Zubrot zu der übrigen reichhaltigen Paletten an Mord- und Tötungsmaschinerie, die Diehl im Programm anbietet! Aus diesem Grund werden auch nach der Übernahme von Dasell durch Diehl bisher keine Investitionen getätigt und keine Leiharbeiter│innen fest angestellt. Das würde die Kosten bei einer kurzfristigen Verlagerung natürlich erhöhen.
Der Betriebsrat von Dasell – jetzt Diehl Comfort Modules GmbH – forderte als Gegenleistung für die Zustimmung zur 4-Tage-Woche die Festanstellung von 5 der fast 150 Zeitarbeiter! Im Gegenzug peilt die Geschäftsleitung an, daß in der Endmontage nur noch 15% Zeitarbeiter│innen beschäftigt werden sollen – was auch nur wieder eine Umsetzung von LAKs in andere Abteilungen (Vormontage) bedeuten wird, da sonst die Produktivität gar nicht erhöht werden kann.
Die Geschäftsführung und BR einigten sich dann im Laufe dieser Woche darauf, bereits ab kommender Woche (also ab 16. Januar 2012!) – in der Endmontage nur für den A380 nach dem neuen Schichtmodell arbeiten zu lassen – freiwillig natürlich. Aber wer sich sperrt, bekommt massiven Druck vom Meister. Ob und welche Zugeständnissse die Geschäftsführung gemacht hat, konnten wir (noch) nicht in Erfahrung bringen.

IGM und ihr ‚Zukunftstarifvertrag‘ bei Airbus – ein Modell am Krankenbett des Kapitalismus!
Die IGM ‚kämpfte‘ zum Jahresbeginn – wie z.B. für einige marode Werften oder bei OPEL – bei Airbus gegen die stetig steigende Zahl von „Zeitarbeiter“ an, die sogenannte Produktionsreserve. In der deutschen Metallindustrie ist jeder zehnte Arbeitsplatz mittlerweile mit LAKs oder Lohnsklaven besetzt! Dafür hat auch die IGM die Verantwortung zu tragen, weil sie gegen diese Ausbeutung noch nie wirklich etwas unternommen hat. Sie hat diese Flexibilisierungsmaßnahmen seitens der Unternehmer nie ernsthaft bekämpft, denn die IGM gehört zu den DGB-Tarifpartnern der Zeitarbeitsunternehmer, die diese Niedriglöhne bereits 2003 per Zeitarbeitstarifvertrag mit eingeführt haben. Jetzt, nach zehn Jahren, kommt ihnen eine Quote von 20% von LAKs bei Airbus (der Zukunftstarifvertrag garantiert nämlich nur eine Festangestelltenquote von 80%!) als zu hoch vor. Donnerwetter – die Kapitalisten ziehen alle Register, um die Profite zu optimieren!
Und was machen die Kolleg│innen? Sie schnallen die Gürtel nach zehn Jahren Reallohnverlust nocheinmal enger – und helfen den Bossen – der IGM-Betriebsratschef Hinz nennt das dann »stärkere[n] Einbindung der Belegschaft in Veränderungen der Arbeitsorganisation«. Deshalb bot die IGM auch während der Verhandlungen seitens der Malocher│innen »strukturelle Maßnahmen [zur] Produktivitätssteigerung von 120 Millionen Euro für 2012« an, »was bis 2020 über 1,1 Milliarden Euro bedeute.« [taz, 7.10.2011]
Jetzt ‚kämpft‘ die IGM gegen den hohen Anteil an LAKs in der Flugzeugindustrie. Vom angestrebten Ziel ist sie dabei meilenweit entfernt. Denn bei den Demonstrationen und Warnstreiks bei Airbus ging es hauptsächlich um die Übernahme der Auszubildenden – und nicht um die Festanstellung und Übernahme der Zeitarbeiter│innen.
Ändert dieser ganze Rummel um „die Zukunft“ an unserer Ausbeutung etwas? – Airbus setzt weiterhin auf eine 8%ige Produktionsausdehnung bei gleichem Lohn. Ex-Dasell will sogar die Produktivität um 17% steigern – dafür möchte die IGM aber als gegenleistung eine Betriebskantine und andere nebensächliche Sozialleistungen – bei einer Leistungslohn-Bezahlung auf der Grundlage eines Grundlohnes von 106%! [Zukunftstarifvertrag-Entwurf bei Dasell]

Und im Hamburger Abendblatt hieß es am 29.1011: »Der Hamburger Airbus-Zulieferer Dasell ist auf Wachstumskurs: Der Waschraum-Hersteller mit aktuell rund 500 Beschäftigten will in den nächsten Jahren das Personal um fast zehn Prozent aufstocken. Denn vorgesehen sei, angesichts der steigenden Fertigungsraten bei Airbus die Bordtoiletten-Produktion von etwa 2250 Stück in diesem Jahr auf 2650 Einheiten im Jahr 2013 hochzufahren, sagte Dasell-Chef Holger Hafner.« Das ist eine Steigerung von 17%!

Ob Power 8 oder Siduflex: die Lohndrückerei bei Airbus
»Angesichts der starken Nachfrage nach diesen Flugzeugen stehen Mewes und seine Kollegen vor einer Herausforderung: Bis Ende 2012 soll die konzernweite Produktionsrate von Jets der A320-Familie auf 42 Maschinen im Monat zunehmen; derzeit werden 38 bis 40 Flieger gefertigt. Damit soll ein Rumpf künftig schon nach sechseinhalb Stunden komplettiert sein. Steigende Produktivität soll dabei helfen, die höhere Fertigungsrate zu bewältigen.«
Und: »Auf steigende Mitarbeiterzahlen setzt auch Jan-Marcus Hinz, Betriebsratschef von Airbus in Hamburg. Er verweist dazu auf den neuen „Zukunftstarifvertrag“. Darin ist unter anderem festgelegt, dass mindestens 80 Prozent aller Arbeiten in den bestehenden Flugzeugprogrammen von fest angestellten Airbus-Beschäftigten geleistet werden müssen. Der Vertrag markiert aber nach Auffassung von Hinz vor allem den „Beginn eines Kulturwandels im Unternehmen“ mit einer stärkeren Einbindung der Belegschaft in Veränderungen der Arbeitsorganisation. Denn, so argumentiert Hinz: „Keiner kann besser optimieren als die Mitarbeiter selbst.“ Dies habe man inzwischen auch im Management erkannt.« [Hamburger Abendblatt, 16.12.2011]

‚Rote‘ Suventionen für den Diehl-Rüstungskonzern?
»Dasell gehört ebenso wie der Hamburger Bordküchenhersteller Mühlenberg mit etwa 200 Beschäftigten zur Nürnberger Diehl-Gruppe. Bei einem Besuch bei Dasell sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch gestern, vor allem die mittelständischen Zulieferer stünden vor Herausforderungen. Denn sie müssten ihre Kapazitäten ausbauen, während sich die Kredite wegen der erhöhten Eigenkapitalanforderungen an die Banken verteuern könnten. Der Senat müsse die Zulieferer bei der Finanzierung unterstützen, so Horch zum Abendblatt. Eine wesentliche Rolle dabei solle die geplante Hamburgische Investitions- und Förderbank spielen.« [Hamburger Abendblatt, 29.10.2011]

Auch dies ist wirklich eine Lachnummer. Die ‚rot‘ regierte freie Hansestadt Hamburg unter ihrem Vorturner Olaf Scholz will einen Rüstungskonzern aus Steuergeldern subventionieren, weil er ein „mittelständischer Zuliefer“ von Airbus sei. Einerseits den Export von Leopard-Panzern nach Saudi-Arabien kritisieren und – anderseits dem Familienclan Diehl Geld in den Hintern blasen, der allein 2010 fast 90 Millionen Euro Gewinn aus den Arbeiter│innen ihrer Betriebe herausgepreßt hat! •

Stand: 13. Januar 2012

A S G │ VAB Hamburg-Altona
Anarchosyndikalistische Gruppe – Vereinigung aller Branchen

Anhang
Der Rüstungskonzern Diehl – Informationen aus seinen Bilanzen

Konzern-Aufsichtsratsmitglied Werner Diehl – Sohn des Wehrmachtsausrüsters Karl Diehl – erhielt am 11. Juli 2008 aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein den bayrischen Verdienstorden. Diehl gilt als traditionsreiche Firma, schon im Zweiten Weltkrieg produzierten KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter in dem »Kriegsmusterbetrieb« Zünder für Wehrmachtsbomben.

»Luft-Lenkflugkörpers IRIS-T SL (Surface Launched), das transatlantische Beschaffungsprogramm des Schiffsverteidigungsflugkörpers RAM und der erfolgreiche Abschluß des Entwicklungsvorhabens SMArt 155-Payload für die gelenkte Artillerierakete GMLRS bei. Mit der Demonstration des Boden-Luft-Flugkörpers IRIS-T SL im scharfen Schuß, dem Einsatz eines aktiven Schutzsystems auf dem Fahrzeug DINGO 2, dem erfolgreichen Schuß einer gelenkten Mörsermunition sowie der ersten Auslieferung eines Counter-IED (Improvised Explosive Devices) –Systems für den Konvoischutz wurden wichtige Weichen für die strategische Ausrichtung des Unternehmens gestellt. Strategisch ebenfalls bedeutend ist die Unterzeichnung einer ersten Vereinbarung zur Gründung eines deutsch-französischen DIRCM-(Direct Infrared Counter Measure)-Unternehmens, das den Grundstein für die Entwicklung eines modernen Schutzsystems für die Luftfahrt bildet. Es soll erstmals beim neuen militärischen Transportflugzeug A400M zum Einsatz kommen. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme einer neuen Produktionslinie für Infanterieflugkörper konnten die ersten Systeme vom Typ Mells/Spike der Bundeswehr übergeben werden. Zusammen mit verschiedenen Mittelkalibermunitionen bildeten sie die Basis für weitere Serien-Beauftragungen in den kommenden Jahren. Mit der Errichtung eines Gebäudekomplexes für die Systemintegration von Flugkörpern und Startfahrzeugen wurden die Fertigungskapazitäten in Überlingen nochmals erweitert.«
• Diehl-Bilanz 2010 – elektronischer Bundesanzeiger

»Diehl BGT Defence ist Generalunternehmer dieses europäischen Flugkörperprogramms mit den Nationen Deutschland, Griechenland, Italien, Norwegen, Schweden und Spanien. Inzwischen dient IRIS-T als Standardbewaffnung für die Kampfflugzeuge der europäischen Programm-Nationen.
Zu den Exportkunden zählen Österreich, Südafrika, Saudi-Arabien und Thailand. Während der Fußball-WM nahmen Kampfflugzeuge der Südafrikanischen Luftwaffe, ausgerüstet mit IRIS-T-Lenkflugkörpern, die Luftraumüberwachung wahr. Diehl-Technologie befindet sich in einer Vielzahl von Flugkörpern für den Einsatz in der Luftverteidigung, Infanterie oder auf hoher See.
« [ http://www.diehl-bgt-defence.de/ ]

»Thales Deutschland is headquartered in Stuttgart and is Thales Group’s third largest national subsidiary. The company employs 6,000 persons at 24 locations and carries out its own manufacturing and development. In 2010, Thales Deutschland generated sales of EUR 1.39 billion, of which 75 percent were German value added. «
[ http://www.thalesgroup.com/germany/about_us/ ]

► Und ganz aktuell: Schöne Waffen für Athen – DIE ZEIT 2/2012 vom 5.1.2012

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