Diehl – kostenlose, unfreiwilige Mehrarbeit gefordert

Der Diehl-Konflikt um die Mehrarbeit beim Airbus – Teil III

Wir haben bereits zweimal aus dem Bauch der Flugzeugindustrie berichtet. Hier folgt nun der Abdruck des neuesten Schreiben der Geschäftsleitung von Diehl Comfort Modules (DCM) in Hamburg an seine Mitarbeiter/innen vom August 2012.
Es geht um die „mitbestimmungspflichtige Mehrarbeit“, die der Betriebsrat seit einiger Zeit ablehnt und die kapitalistische Gegenwehr. Nämlich die (arbeits-) gerichtliche Einigungsstelle anzurufen, weil eine „einvernehmliche Regelung“ nicht durchsetzbar war. Das muß an der guten Frischluft in Finkenwerder liegen.

Bisher wurde bei Diehl immer wieder von Ausgliederungen, Entlassungen von Zeitarbeiter/innen gesprochen – nun gibt es plötzlich „aus verschiedenen Gründen dringend Mehrarbeit“, deren Gründe „wie sooft vielschichtig“ seien, „durch Sondereffekte verursacht“ oder durch „terminkritische Fertigstellung“ von Einbauküche-, Klo- oder sonstigen Modulen, eben das, was Diehl beim Airbus zuliefert. Auch „spezielle Projekte zur Erzielung nachhaltiger Verbesserungen“ bedürfen der Mehrarbeit, weil die Planungen vollständig aus dem Ruder gelaufen sind. Und dafür sollen nun die Kolleginnen und Kollegen verantwortlich gemacht und zur Mehrarbeit gezwungen werden.

Wir erinnern daran, daß in der letzten Verhandlungsrunde zur Vereinbarung eines „Zukunftstarifvertrages“ bei Diehl von einem generellen Abzug von „jeweils 55 Stunden aus den Zeitkonten jedes Vollzeitmitarbeiters im Oktober 2012, 40 Stunden im Januar 2013 und 40 Stunden im Juli 2013″ gesprochen wurde. Die Zeitkonten derjenigen Mitarbeiter/innen, die „diesen Betrag nicht abdecken“ – also innerhalb von 9 Monaten um 130 stunden gekürzt zu werden, „werden die Zeitkonten ins Minus gefahren“. (VKL im Juli 2012)

So schnell dreht sich der Wind an der Elbe also. Der CFO – der Finanzchef Reck – und seine Kopffrau für die „menschlichen Ressourcen“ Riebesell (Head of Human Resources) fordern einerseits Mehrarbeit, um die „Zufriedenheit unserer Kunden“ (hier also Airbus) garantieren zu können und erpressen damit „die Sicherheit der Arbeitsplätze“ - wessen ist damit natürlich nicht gesagt. Der Diehl-Deal soll also lauten: Belegschaft & IGM haltet’s Maul, dann dürfen 480 von 530 Beschäftigten bei gekürzten Bezügen und unbezahlter Mehrarbeit „sicher“ bis zum 31.12.2016 für den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS bei Airbus als Zulieferer malochen.

Hier da dokumentierte Schreiben „Mehrarbeit für August 2012″ von Diehl Comfort Modules (DCM)
Diehl-August2012

Mit Drohnen gegen Cyperangriffe – warum nicht?

„Wir stellen keine Angriffswaffen her,“ behauptet der Boss der Rüstungssparte von EADS, Stefan Zoller, im Interview mit der ZEIT (Ausgabe 33 vom 9.8.12). Das Gaddafis Söldner seinerzeit auch EADS-Panzerabwehrraketen vom Typ Milan 3 gegen die Aufständischen einsetzte, interessiert den Sicherheitsfanatiker nicht. Was versteht der Rüstungschef von CASSIDIAN unter Sicherheits- und Verteidingungsgeschäft? „Ein Drittel klassisches Verteidigungsgeschäft, ein Drittel Sicherheitstechnik an Außengrenzen und ein Drittel Cybersicherheit.“ Und dazu gehören dann eben auch unbemannte Drohnen namens Talarion. Mit Cybertechnik sollen Behörden und Konzerne vor Cyberangriffen geschützt werden, da „15 gute Hacker mehr Schaden anrichten können als Tausende Soldaten.“ Gegen das „Absaugen“ von Wirtschaftsdaten, Ausschreibungsangeboten, Patenten und Rezepturen helfen eben keine Militärs. Aber eigene Viren und Analyseprogramme sollen dem „Cyberkrieg“, der bereits stattfindet, entgegen treten.

Und eine Killer-Drohne ist eben nichts anderes als ein unbemannter Aufklärungsflugkörper, der „Datenaufklärung“ betreibt. Und um über die Cyber-Operation-Centers dann einen gezielten Gegenangriff („Verteidigung“) zu starten, sind Drohnen vielleicht ganz nützlich, der Sicherheit wegen … Und auch, weil das deutsche Gesetz verbietet, „Schadprogramme“ zu entwickeln, die Angriffsprogramme eliminieren könnten: „Wir analysieren Schadprogramme, weil wir genau verstehen müssen, wie die Angriffssoftware funktioniert, um dann Gegenmaßnahmen einzuleiten. Wir entwickeln keine Schadprogramme.“

„Etisch ist eine Waffe stets als neutral zu betrachten“, behauptet unser Verteidigungsminister de Maizière, das passt ebenso wie die Aussage, dass „unsere Freiheit“ auch mit der Bundeswehr am Hindukusch verteidigt werden muß. Notfalls mit Drohnen und Cybertechnologie an „Außengrenzen“ … egal welchen.

Anarchosyndikalistische Gruppe Hamburg-Altona (ASG)

Selbstdarstellung:
»Cassidian, eine Division des EADS-Konzerns, ist einer der weltweit größten Anbieter globaler Sicherheitslösungen und -systeme, der zivile und militärische Kunden als Systemintegrator und Lieferant wertschöpfender Produkte und Dienstleistungen unterstützt. Hierzu zählen Flugsysteme (Flugzeuge und unbemannte Plattformen), boden- und schiffsgestützte sowie teilstreitkräfteübergreifende Systeme, Aufklärung und Überwachung, Cybersecurity, sichere Kommunikation, Testsysteme, Flugkörper, Dienstleistungen und Supportlösungen. Im Jahr 2011 erwirtschaftete Cassidian mit rund 28.000 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von € 5,8 Milliarden. EADS ist ein weltweit führendes Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, im Verteidigungsgeschäft und den dazugehörigen Dienstleistungen mit einem Umsatz von € 49,1 Mrd. im Jahr 2011 und über 133.000 Mitarbeitern. Zu EADS gehören die Divisionen Airbus, Astrium, Cassidian und Eurocopter.« (www.eads.com)